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Reinhard Schramm: Eine Familiengeschichte aus dem Schuhkarto

Wir treffen den 77-jährigen für ein Gespräch in den Räumlichkeiten der Erfurter Synagoge. Dr. Reinhard Schramm ist ein stolzer, redseliger und freundlicher Mann, der uns im Garten empfängt. Vor dem Gebäude patrouilliert sichtbar, aber unauffällig die Polizei. Das antisemitische Attentat in Halle, das Aufkommen der Querdenkenbewegung und die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina haben Spuren hinterlassen. Die erhöhte Bestreifung und die dicke Tür sind dabei die sichtbarsten Zeichen. Reinhard Schramm steht nicht nur der jüdischen Landesgemeinde vor, sondern ist seit beinah 30 Jahren Mitglied der SPD und bekannt für seine kritischen Gedanken und Zwischenrufe. Seine Lebensgesichte ist beeindruckend und lässt sich unmöglich vollumfänglich in einem Artikel erzählen.

Er ist 1944 als Kind einer jüdischen Mutter und eines nicht-jüdischen Vaters in Weißenfels geboren, wurde bis zum Ende des Krieges in einem Wochenendhaus versteckt, wuchs in der noch jungen DDR auf und studierte später im polnischen Danzig. Von seiner jüdischen Familiengeschichte erfuhr er erst im Alter von 10 Jahren, als er im Kleiderschrank seiner Mutter einen Schuhkarton mit Dokumenten und Briefe von Verwandten aus dem Gefängnis und dem Konzen-trationslager fand. Seine Mutter und er waren die einzigen Überlebenden aus der Familie – auch die jüdische Gemeinde in Weißenfels wurde von den Deutschen nahezu komplett ausgelöscht. Die Mutter schwieg bis in die 1960er Jahren über das Erlebte, erst als sie einen alten Schulkameraden im Fernsehen wiedererkannte – es handelte sich dabei um keinen geringeren als Benjamin Halevi, einen der drei Richter im Adolf-Eichmann-Prozess – brach sie ihr Schweigen. Zu dieser Zeit fing Reinhard an, Briefe an deutsche Jüd:innen in Israel, England und in die Vereinigten Staaten zu schreiben. Er beschreibt diese Zeit als eine Art Zäsur, in der er sich mit dem jüdisch-sein auseinandersetze und ihm bewusst wurde, wie sehr es einen israelischen Staat braucht, auch als eine Art Lebensversicherung und Rückzugsort für Jüd:innen.

Reinhard Schramm selbst ist seit den 1980er Jahren aktiv in der jüdischen Gemeinde. Mit Sorge blickt er auf die Entwicklungen in den vergangenen Jahren. Der Antisemitismus in Deutschland wird längst nicht mehr hinter zugezogenen Vorhängen geäußert, sondern auf offener Straße ausgelebt. Um Jüd:innen zu schützen, bedarf es laut Schramm nicht nur die Jüdische Gemeinde, sondern eine Zusammenarbeit aller demokratischen Kräfte und Parteien, sowie eine wache und engagierte Zivilgesellschaft. Er selbst macht seit mehr als 20 Jahren auf die wachsende Gefahr aufmerksam und äußert seine Sorgen öffentlich.

Reinhard Schramm ist damit zu einer der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen jede Form des Antisemitismus geworden. Was es braucht, damit Jüd:innen in Deutschland angstfrei leben können, fragen wir ihn. Reinhard antwortet prompt: Einen ernstgemeinten Kampf gegen Antisemitismus, ein gutes Bildungssystem, welches alle Kinder einbindet und zu Humanist:innen erzieht, sowie eine gelungene Integrationspolitik. Insbesondere der Kampf gegen Antisemitismus darf kein Lippenbekenntnis sein. Als SPD-Mitglied ist er deshalb besonders froh, dass es in der Partei ein klares Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus gibt und viele engagierte Unterstützer:innen in diesem Kampf zu den Genoss:innen zählen.

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27. Juli 2021 | Bildrechte SPD-Thüringen

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